Vernichtendes Ergebnis des EPatient Survey

Der EPatient Survey ist eine zumindest halbwegs repräsentative Online-Studie zum Zustand der digitalen Gesundheit in Deutschland und vor allem der Nutzung digitaler Gesundheitsangebote durch die Patienten. Also: Kunden. Das ist positiv, da können wir etwas lernen. Gerade haben Alexander Schachinger und Team die Ergebnisse 2020 vorgestellt. Das Learning: Es ist ein Trauerspiel.

Ein Schlaglicht: Die Nutzung der Online-Sprechstunde bei Arzt und Ärztin hat sich verdreifacht. Klingt gut. Der Anteil der Patient*innen, die die Online-Sprechstunde genutzt haben, ist von 0,7% auf 2% angewachsen. Die banale Erkenntnis muss also lauten: Die Online-Sprechstunde findet nicht statt. Sie ist eine Chimäre. Dass der Erhebungszeitraum den Anfang der Corona-Pandemie mit eingeschlossen hat, bestärkt nur diese Interpretation.

Der Studienleiter sieht hier einen “großen Zuwachs”. Die Digitalunternehmerin und Mitgründerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung, Diana Heinrichs, kommentierte auf der heutigen digitalen PK: “Das Ergebnis ist vernichtend”.

Julia Hagen von Bundesgesundheitsministerium berichtete aus Workshops mit Ärzten zu Gesundheitsapps und der Nutzung in Beratung und Behandlung. Ein prägender Eindruck: Die Ärzte seien überwiegend positiv gestimmt, fürchteten aber Mehrarbeit. Der interessierte Beobachter fragt sich: Ja, was denn sonst? Das auch in der PK zitierte Beispiel von Amazon und deren kompromissloser Einfachheit in der Bedienung ist eben das Ergebnis außerordentlich harter Arbeit. Der EPatient Survey sagt: Die Menschen wünschen sich einfache und nützliche Gesundheitsapps, eine relevante Nutzung allerdings findet derzeit nicht statt, jedenfalls bei den Apps, die der Gesetzgeber auf dem Schirm hat. Man müsse jetzt doch einmal die PTA in den Apotheken dazu bringen, die Kunden aktiv auf Gesundheitsapps anzusprechen. Ob man denn wenigstens das Bildungssystem in Sachen Digitalisierung überholen könne, fragt sich der Moderator der PK. Auch die Auswahl der Ziele sagt etwas über die eigenen Ambitionen.

Was also ist trauriger? Die Erkenntnisse, die im Grunde eine ungute Vorahnung nur mit neuen Daten untermauert haben – oder die Reaktion darauf? Treffen Sie bitte selbst eine Entscheidung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.