Beyond Verbal: Die Stimme führt zur Diagnose

Wenn die Stimme zum Frühwarnsystem schwerer Krankheiten wird: Ein Hinweis auf eine vielleicht nicht ganz einzigartige, aber doch in jedem Fall außergewöhnliche Technologie. Yuval Mor hat sie mit seinem Team bei Beyond Verbal entwickelt. Hier bekommt Sprachsteuerung in der Healthcare der Zukunft in einem ganz neuen Sinn.

Dies ist der Ansatz: Beyond Verbal kann zeigen, dass spezifische schwere Krankheiten zu charakteristischen Mustern in der menschlichen Stimme führen. Hierzu zählen schwere Herzerkrankungen, aber auch neurologische Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Für menschliche Ohren sind diese Muster nicht identifizierbar. Beyond Verbal hat einen Algorithmus entwickelt, der diese feinen Veränderungen mit erstaunlicher Präzision aufspüren kann. Das besondere: Der Algorithmus hört diese Veränderungen, bevor das Herz versagt, bevor Alzheimer auf herkömmliche Weise diagnostiziert werden kann. Die Stimmanalyse ermöglicht daher ein erheblich früheres Eingreifen, erlaubt Aktion statt Reaktion. Welche Sprache jemand spricht, ist für die Analyse übrigens völlig unerheblich. Die charakteristischen Muster treten im Mongolischen genauso auf wie im Schweizerdeutschen.

Yuval Mor war mit seinem Thema einer Referenten des 2b AHEAD Zukunftskongresses 2018 und hat sein Projekt zur Diskussion gestellt. Die Kollegen bei 2b AHEAD haben das Video von seinem Impuls bereits online gestellt. Es ist hier abrufbar.

Beyond Verbal - Yuval Mor

Eine Selbstverständlichkeit, die allerdings schon auch immer des Merkens wert ist: Beyond Verbal führt eine der Technologien in die Healthcare der Zukunft ein, die sehr konkret zu einer grundlegenden Verschiebung von Wissen führen. Ein Effekt, den wir immer wieder feststellen. Hier lässt er sich besonders leicht zeigen: Der Algorithmus generiert Wissen, das zu einer erheblichen Steigerung von Wohlsein und Wohlbefinden führen kann. Die traditionellen Akteure der Gesundheitsbranche können sich lediglich dadurch auszeichnen, wie gut integriert und selbstverständlich sie mit diesem Wissen umgehen.

Bitte testen!

Und um es noch konkreter zu machen: Gewissermaßen als Abfallprodukt am Rande hat Beyond Verbal die App „Moodies“ frei verfügbar in die App-Stores gestellt. Sie greift auf denselben Algorithmus zu und analysiert binnen weniger Sekunden den emotionalen Zustand des Sprechers. Ich nutze diese App inzwischen regelmäßig bei Keynotes, sowohl zur Demonstration der Leistungsfähigkeit von Künstlicher Intelligenz, als auch als Feedback meiner eigenen Wirkung, schlicht um mich zu verbessern. Ich kann Sie nur ermutigen, „Moodies“ selbst auszuprobieren.

Digitale Diagnose: Disruption beginnt nicht im Harmlosen

Zwei Tweets sind mir heute durch die Timeline gerauscht. Beide berühren die Thematik digitaler Diagnosen und sie zeigen ein eigenwilliges, scheinbar widersprüchliches Bild. Ist die digitale Diagnose besser – oder doch die des humanen Arztes? Und von wem wollen wir eine solche Diagnose erhalten?

Digitale Diagnose als Lebensretter?

Von der Intelligent Health AI aus Basel kommen positiv geprägte Nachrichten, begeistert von der Machbarkeit.

Digitale Diagnose: AI can do

Man könnte einwenden: Wo ist die News? Dass die Diagnosefähigkeit von halbwegs modernen Systemen künstlicher Intelligenz dem menschlichen Expertenwissen überlegen ist, darf nun wirklich nicht mehr überraschen. Dieses Ungleichgewicht ist vielfach belegt. Jeder Onkologe, jeder Radiologe, wahrscheinlich nahezu jeder Laborarzt wird dies bestätigen. Auch wenn die Vorstellungen von den Konsequenzen wohl erheblich differieren: Der Fakt ist unstreitig.

Analoge Studenten am MIT?

Der Futurist Andrew McAfee zeichnet ein anderes, aber doch bemerkenswertes Bild aus seiner Praxis an der Universität:

Digitale Diagnose

Entgegen jeder Ratio, scheint es, nimmt die nachwachsende digitale Elite – denn nichts anderes wird hier am MIT ausgebildet – faktisch Nachteile in Kauf. Sie entscheidet sich für die humane Diagnostik und nicht für die digitale Diagnose. Über die Motive äußert er sich nicht. Selbst wenn, würde hier kaum ein statistisch verlässliches Bild entstehen.

Drei Modelle der Interpretation

Legen wir die beiden Eindrücke nebeneinander und deuten sie gemeinsam. Drei Deutungsmuster bieten sich an:

Interpretation 1: Technologische Faszination ist im Zweifel immer die Lösung für die anderen. Autonomes Fahren ist so begeisternd wie sinnvoll. Nur das eigene Lenkrad darf bleiben. Ich nenne dies das Defizitmodell der technologischen Disruption. Handlungsleitend ist die Angst vor dem Verlust vertrauter Lösungen, Services und Features, bei aller technologischen Faszination.

Interpretation 2: Der Zeitversatz zeigt einen scheinbaren Widerspruch. Dies ist das Modell der Harmonisierung im Zeitverlauf. Heute lehnen die Studenten ab, woran sie sich im Laufe der kommenden Jahre gewöhnen werden. Ein auf ersten Blick naheliegender Gedanke. Auf zweiten Blick trügerisch: Wer sich von dieser Interpretation leiten lässt, steht in der Gefahr, den disruptiven Charakter von Innovation zur Unkenntlichkeit mit Harmoniesauce zu überdecken.

Interpretation 3: In diesem Gegenüber wird deutlich, wie sich eine der wichtigsten Innovationen im Gesundheitswesen vollziehen wird. Das Modell der Sinnstiftung durch Innovation. Eine herkömmliche Diagnose, bei der es nicht um Leben und Tod geht, wird auch auf absehbare Zeit von einem menschlichen Arzt gestellt und kommuniziert werden können. Selbst wenn eine KI faktisch besser wäre: Ein echtes Risiko besteht nicht. Geht es aber um die Bedrohung durch tödliche Krankheiten, bietet KI einen Qualitätssprung; wer diese Bedrohung überwinden will, ist bei der Wahl der Mittel weniger wählerisch. Hauptsache, es wirkt.

Disruption beginnt nicht im Harmlosen

Setzt sich dieser dritte Ansatz durch, werden wir KI sehr bald im Einsatz sehen. Der Siegeszug der KI wird allerdings gerade nicht im Harmlosen und Riskofreien beginnen, sondern – ganz im Gegenteil – dort, wo es wirklich zählt: Beim Kampf gegen lebensbedrohliche Krankheiten. Ebola, Malaria, schneller Krebs werden die KI in den Alltag von Healthcare bringen, bevor sie sich auch dem Kampf gegen Schnupfen und Läusebefall widmet. Irgendwann später.

Ich neige, Sie werden es ahnen, zur dritten Interpretation. Die wichtigsten Innovation der Healthcare der Zukunft wird bei Fragen von Leben und Tod beginnen. Aber bitte, urteilen Sie selbst.

 

3D Druck von Organen: State of the Art und Prognose (2)

Die Zukunftstechnologie 3D Druck von Organen. Im ersten Teil standen Dr. Anthony Atala und seine Arbeit am Wake Forest Institute for Regenerative Medicine in Winston-Salem, North Carolina im Vordergrund. Er wird wahrscheinlich der Erste sein, der eine formelle Zulassung für 3D gedruckte Implantate erhalten wird. Einen anderen Schwerpunkt setzt Dr. Gabor Forgacs. Während Dr. Atala danach strebt, Organe 1:1 durch gedruckte Implantate ersetzen zu können, sieht Dr. Forgacs das größere Potenzial im Bereich der Pharmakologie. Ihm geht es darum, individuelles Biomaterial zu drucken, an dem Ärzte die Wirksamkeit und Wirkungsweise von Pharmazeutika testen können. Ein Test am individuellen Körper, aber eben vor der Verordnung der Medikamente für den einzelnen Patienten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Risiken sinken, Unverträglichkeiten treten vorab zu Tage, Dosierungen können erprobt werden. Im Ergebnis können Patienten effizienter behandelt werden: günstiger, schonender, wirksamer.

Mit Organovo kann Dr. Forgacs für sich in Anspruch nehmen, das erste kommerzielle Unternehmen im Bereich 3D Druck von Organen gegründet zu haben. Damit war er bereits 2012 Gast im 2b AHEAD ThinkTank. Mit seinem Fokus auf Samples für toxikologische Tests umgeht er zugleich die meisten Hürden der Zulassung. Daneben erwartet er vor allem im Bereich der Prothesen eine Anwendung des 3D Drucks, zugegeben in vielen Bereichen längst Realität. Hörhilfen sind längst in zweistelligen Millionenzahl im Einsatz. Das eigentliche Potenzial von Forgacs´ Ansatz scheint aber ohnehin im Bereich der pharmazeutischen Entwicklung zu liegen. Jeder Tag, um den Technologie die enormen Entwicklungszyklen von neuen Medikamenten verkürzen kann, ist allein monetär enorm wertvoll.

3D Druck von Organen Gabor Forgacs

Use-Cases als Treiber für 3D Druck von Organen

Lohnend ein Blick auf TeVido BioDevices, ein Unternehmen aus Austin, Texas. Im Unterschied zu Atala und Forgacs kommt Gründerin Laura Bosworth nicht von der Technologie her, sondern von einer relevanten Problemstellung. In diesem Fall: Die Rekonstruktion der Brust nach einer Krebserkrankung. Genauer: Die medizinisch korrekte, aber optisch vielfach nicht zufrieden stellende Rekonstruktion. TeVido stellt künstliche Brustwarzen her und setzt dafür die 3D-Druck-Technologie ein, mit natürlicher Optik, dank natürlicher Substanz.

3D Druck von Organen ist insofern ein sicherer Kandidat für eine aussichtsreiche Zukunft: Technologie mit Erfahrung und Potenzial zur Skalierung, dezentrales Knowhow, relevante Use-Cases.

3D-Druck von Organen: State of the Art und Prognose (1)

Der 3D-Druck von Organen erscheint regelmäßig in den Listen mit den wichtigsten Einflussfaktoren für die Healthcare der Zukunft. Zugleich wirkt diese Technologie fast schon wieder alt, so lange sprechen wir schon darüber. Kann das noch Zukunft sein? Nach allem, was wir sehen können: Ohne Abstriche ja. Der 3D-Druck von Organen hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung grundlegend zu verändern. Hier ist greifbar, wie sich das Bild unseres Körpers wandelt. Wo es gestern noch um die Wiederherstellung eines gott- oder naturgegebenen Originalzustands ging, rückt morgen die Verbesserung und Erweiterung der körperlichen Funktionalitäten in den Vordergrund. Wir können mehr. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Akteure und deren Roadmap.

Der wahrscheinlich wichtigste Akteur ist Anthony Atala, Chirurg, Urologe und Director of the Wake Forest Institute for Regenerative Medicine in Winston-Salem, North Carolina. Bei meinem jüngsten Besuch im Frühjahr 2018 konnte ich nicht nur eine gedruckte Niere in der Hand halten, Maschinen beim Druck von Blutbahnen, Knochen, Lebern, Herzzellen beobachten. Perspektivisch noch aussichtsreicher ist seine Initiative, die Prozesse zur Herstellung beliebiger Organe zu industrialisieren. Nur die Hälfte seiner insgesamt 500 Mitarbeiter im Labor sind Mediziner. Parallel arbeiten unter anderem Maschinenbauingenieure daran, die Prozesse zuverlässig zu standardisieren, um sie auf diese Weise an vielen Orten anbieten zu können.

Das Prinzip „3D-Druck von Organen“ ist immer gleich und von der Logik her einfach: Wer in der Lage ist, aus Stammzellen eines Menschen Organe zu züchten, kann a) Organe produzieren, wann immer er sie braucht und b) wird vermeiden, dass das Organ vom Körper abgestoßen wird. Risiken sinken und lebenslange Therapien entfallen. Der akute Mangel besonders an Spendernieren wird aufgehoben; der Transport von Transplantaten entfällt ersatzlos. So weit der Konsens.

100% oder mehr?

Unter den Forschern, die diese Technologie entwickeln, gehen die Meinungen bei c) auseinander: Werden wir auch in der Lage sein, die Organe zu verbessern? Wird mein gedrucktes Herz, meine Niere, meine Leber leistungsfähiger sein als die ursprüngliche? Und werden meine Organe zusätzliche Funktionen erhalten, die in der Originalkonfiguration meines Körpers noch nicht vorgesehen waren? Wir sehen, wie sich das Bild unseres Körpers allein angesichts dieser Möglichkeit verändert: Der Funktionsumfang der Organe, die Abstimmung untereinander – alles dies wird zu einer Konfiguration. Der Körper wird zur konfigurierbaren Maschine. Die Geister scheiden sich lediglich daran, ob das Ideal eine möglichst genaue Wiederherstellung der anfänglichen 100% ist – oder eine individuelle und gezielte Abweichung.

Dr. Atala ist der wichtigste Vertreter derer, die auf das 100%-Modell setzen. Zugleich ist er derjenige, der mit seinem Labor einer formellen Zulassung durch die FDA am nächsten ist. Seine Perspektive: Anfang der 20er Jahre werden die ersten Verfahren zum 3D-Druck von Organen zugelassen werden. Zunächst für eher schlichte Strukturen, später dann Schritt für Schritt auch komplexere. Bis Mitte der 40er Jahre wird es in weiten Teilen der Welt normal sein, mit dem Mediziner des Vertrauens mit großer Selbstverständlichkeit über einen Austausch nahezu beliebiger Organe zu sprechen. Er erwartet, die normale Lebenserwartung auf diese Weise auf rund 120 Jahre anheben zu können.

3D-Druck von Organen
Dr. Atala mit einer 3D-gedruckten Niere

Lesen Sie im 2. Teil über die Arbeit des 3D-Druck Pioniers Gabor Forgacs.

Retail goes Healthcare: Best Buy und Great Call

Retail goes Healthcare. Eine kurze Meldung nur, in europäischen Medien kaum aufgenommen: Der US-Elektronikhändler Best Buy hat ein Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft übernommen: Great Call. Für 800 Millionen Dollar. Great Call bietet ein ganzes Paket aus Services rund um Gesundheitsversorgung an, mobil und dezentral, sprich: zuhause.

Kurzer Rückblick: Best Buy, de facto der US-„Media Markt“, stand noch vor wenigen Jahren vor der Insolvenz. Konsequente Kostensenkung, neue Layouts für die Stores und vor allem eine Konzentration auf neue Kundenbedürfnisse haben die Wende ermöglicht. Amazon galt Best Buy vor kurzem noch als der existenzbedrohende Konkurrent. Inzwischen sucht Amazon die Nähe von Best Buy und geht strategische Partnerschaften ein.

Zukunftsbild Retail und Health

Mit dieser Akquisition ermöglicht es Best Buy sich, die Smart Home-Lösungen aus ihrem Programm einen wesentlichen Schritt zu verlängern und selbst als Anbieter von Gesundheitsservices aufzutreten. An der strategischen Bedeutung des Segments gibt es ohnehin keinen Zweifel. Smart Home ist ein enorm wachsendes Segment im Elektronikhandel, auch wenn der praktische Nutzen durchaus noch eingeschränkt ist: Musik, alltägliche Einkäufe, etwas Sicherheit und Überwachung, Licht an und Licht aus. Zugleich wächst der Markt enorm. Die Berichte differieren im Detail, in Summe können wir von Anfang 2017 auf Anfang 2018 von einer Vervierfachung des Marktes ausgehen, bei steigender Dynamik.

Dahinter steht ganz offensichtlich eine konkrete Zukunftserwartung für die Branchen Retail und Healthcare. Sie werden noch sehr viel stärker von Technologie geprägt sein. Überall dort, wo Anbieter stark personalisierte Services anbieten können, werden sie Sinn stiftende und profitable Geschäftsmodelle ermöglichen. Best Buy weist zusätzlich auf das starke Wachstum der potenziellen Kunden hin. Das Unternehmen rechnet für die USA mit +50% Menschen über 65 in den kommenden 20 Jahren. Warum ich den demografischen Wandel für eine enorm chancenreiche Entwicklung halte, habe ich kürzlich dargestellt. Hier findet sich diese Einschätzung erneut belegt.

Retail goes Healthcare- Best Buy CEO Hubert Joly
Retail goes Healthcare- Best Buy CEO Hubert Joly

Der Schritt, den Verkauf von Hardware durch Services zu ergänzen, ist an sich weder neu noch revolutionär. Bei der Dynamik, die das Thema Smart Home im Markt zeigt, liegt es geradezu nahe, hier Services ergänzen zu wollen, die zugleich neue Branchen und Märkte erschließen. Wer einmal im Haus des Kunden ist … Das würden wir von jedem Betreiber digitaler Ökosysteme von iOS bis Android erwarten, von Hardwareproduzenten, ebenso von Branchenspezialisten zur Verteidigung der eigenen Geschäftsmodelle. Hier allerdings wird der Retailer tätig. Ein deutlicher Hinweis darauf, welche Akteure sich branchenübergreifend ganz nüchtern Chancen ausrechnen, Geschäftsmodelle im Bereich Healthcare realisieren zu können. Eben: Retail goes Healthcare.

Der demografische Wandel: Eine gute Nachricht

Der demografische Wandel und Healthcare: Das Kerngeschäft der Krankenversicherung der Zukunft wird es nicht mehr nur sein, Kranke zu heilen. Krankenversicherungen werden Gesunde unterstützen – von der Prävention von Krankheiten bis zur Steigerung von Wohlbefinden und Lebenserwartung. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Trendstudie des 2b AHEAD ThinkTanks. Der demografische Wandel wirkt sich hier direkt aus.

Der demografische Wandel verändert Krankenversicherungen

Die Gesundheitsbranche wird bis zum Jahr 2030 einen beispiellosen Wandel erleben. Mit der Digitalisierung wachsen die Möglichkeiten medizinischer Forschung, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Prävention mit exponentieller Geschwindigkeit. Diese Effekte zeigen sich nirgends so deutlich wie bei den am stärksten wachsenden Gruppen unserer Gesellschaft:

  • Den Alten, die sich auch im Ruhestand noch nicht alt fühlen,
  • den noch Älteren, die vielfach immer noch ein aktives und tätiges Leben werden führen können, und
  • den sehr Alten, heute noch selten, bald schon eine Alltäglichkeit.
Die gute Nachricht

Die Mehrheit der heutigen Prognosen und Zukunftsstudien thematisieren den demografischen Wandel als Problem und Bedrohung. Natürlich wird er uns vor gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen bislang unbekannten Ausmaßes stellen. Aber sowohl für den Einzelnen wie auch für unser Gemeinwesen markiert der demografische Wandel den größten vorstellbaren Fortschritt: Die erhebliche Verlängerung des eigenen Lebens in Aktivität und Selbstbestimmung. Der demografische Wandel mag eine teure Nachricht, er ist vor allem: eine gute Nachricht.

Menschen, die in diesem Jahrzehnt geboren werden, erreichen realistisch ein Alter von über 100 Jahren. Es ist das Zusammenspiel vier einflussreicher Treiber, welches den Traum vom längeren Leben in greifbare Nähe rückt. Erste Bedingung ist die frei verfügbare Genanalyse. Die zweite Entwicklung betrifft die Züchtung individueller Kopien innerer Organe, die gegebenenfalls gegenüber der Vorgängerversion optimiert sind. Dritte Voraussetzung ist ein umfassendes Verständnis der Alterungsprozesse von Menschen. Das vierte Element ist die Synchronisierung der menschlichen Psyche mit der virtuellen Welt. In allen vier Feldern ist ein Durchbruch der Forschung in den kommenden Jahren wahrscheinlich.

Der Vollständigkeit halber: Es existiert eine begründete Gegenposition hierzu, gerade hier im Blog aufgegriffen. Sie wird vertreten unter anderem durch den Medizinethiker Ezekiel J. Emanuel. Er fürchtet die Verlängerung als Phase der Hilflosigkeit und schwindenden Würde.

Die Steigerung des Wohlbefindens

Ein entscheidender Wandel im Umgang mit menschlicher Gesundheit ist das Verschwinden der binären Annahme, ein Patient sei entweder gesund oder krank. Diese kategorische Unterscheidung war ohnehin immer eine Fiktion. Niemand ist nur krank oder nur gesund. Stattdessen lässt sich – die entsprechende Menge von Daten und deren kontinuierliche Erhebung vorausgesetzt – das individuelle Wohlbefinden messen und auf einer Skala verorten. Damit wandelt sich das Ziel medizinischen Handelns. Stand gestern noch Reparatur und Schadensvermeidung im Vordergrund, ist es morgen die schrittweise Verbesserung des eigenen Wohlbefindens. Was kann ich tun, um mich morgen etwas besser zu fühlen – und wer unterstützt mich dabei? Die aufgeklärten Gesundheitskunden der Zukunft wählen sehr bewusst und mit Unterstützung digitaler Assistenzsysteme den kompetentesten Mediziner für ihre Situation, die passende Versicherung und den vertrauenswürdigen Datenmanager aus ihrem individuellen Gesundheitsnetz aus. Gleichzeitig werden sie es nicht mehr akzeptieren, dass das Zusammenspiel mehrerer Leistungserbringer mit erhöhtem Aufwand für sie verbunden ist.

An die Stelle der immer gleichen Bonushefte von Krankenversicherungen und pauschalen und in Summe ungerichteten gesundheitsfördernden Maßnahmen treten damit in naher Zukunft evidenzbasierte, personalisierte Empfehlungen zur gezielten Vorsorge.

Testfall Robotik in der Pflege

Dies lässt sich sehr deutlich am Aufkommen der Robotik in der Pflege zeigen. Robotik wird im Laufe der 20er Jahre zu einer weit akzeptierten Selbstverständlichkeit. Im Bereich der Demenzpflege gilt dies schon lange. Dass ein Roboter ohne weiteres die Geduld aufbringt, dieselbe Frage, dieselbe Geschichte, dieselbe Erregung immer wieder wie beim ersten Mal anzuhören, erleichtert diese Entwicklung zusätzlich.

Die Entwicklung wird aber nicht auf animierte Stofftiere beschränkt bleiben. Das zeigt das Beispiel Medikamentengabe. Wo heute noch Mitarbeiter des Pflegedienstes per Hand tätig werden müssen, ist das Verfahren aufwendig und fehleranfällig. Eine automatisierte Medikamentenausgabe beim Pflegebedürftigen zuhause ist der nächste Schritt: Die individuelle Umsetzung des Medikationsplans durch einen Pillenroboter. Im nächsten Schritt lernen Roboter, den Gesundheitszustand des Menschen zu analysieren. Per Blutprobe, Luftanalyse, Ernährungstracking, später per Beobachtung der Hauttemperatur, der Bewegungsmuster und durch Stimmanalyse. Die Wirkstoffgabe wird in Echtzeit passend berechnet.

In der nächsten Ausbaustufe ist der Medikationsroboter in der Lage, die individuell angemessenen Wirkstoffe direkt vor Einnahme auf einen Trägerstoff zu drucken. Ist das eine Arbeitserleichterung für den Pflegedienst? Mit großer Sicherheit. Hat diese Entwicklung und damit mittelbar der demografische Wandel das Potenzial, das Wohlbefinden des einzelnen Pflegebedürftigen zu verbessern? Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Das sind die einfachen Fragen. Aber auf wessen Wissen stützt sich der Roboter? Sobald er auf vernetztes medizinisches Wissen zugreifen kann, wird seine fachliche Kompetenz stets höher sein als die des einzelnen Arztes. Der Hausarzt wird vorerst noch zur Ausstellung von Rezepten gebraucht, auch eine Existenzberechtigung. Sein Beruf wird sich nachhaltig verändern, eine These, die Markus Bönig von Vitabook hier gerade bestätigt hat. Der Bezug der Medikamente oder Wirkstoffe muss ohnehin nicht in der Apotheke um die Ecke erfolgen. Hier öffnen sich vollständig neue Geschäftsfelder für neue Akteure.

Smart Home

Ein zusätzlicher Treiber dieser Entwicklung ist die derzeit exponentiell wachsende Vernetzung von Gebäuden, beginnend mit Ambient Assistent Living. Das Smart Home des pflegebedürftigen Menschen ist der erste und kompetenteste Pflegeroboter. Damit spätestens sind auf einmal ganz neue Akteure in der Gesundheitswirtschaft tätig: Netzbetreiber, Immobilienverwalter, Bauunternehmer, Hersteller von Elektronik und Sensorik. Auch dies eine mittelbare Folge des demografischen Wandels.

Krankenversicherungen als Gesundheitsförderer der Zukunft müssen sehr viel früher im Ablauf ansetzen, wodurch sie in der Wahrnehmung der Gesundheitskunden eine sehr viel aktivere und positiver besetzte Position einnehmen werden. Das Gießkannen-Prinzip hat ausgedient. In Zukunft reagieren Gesundheitsförderer nicht erst, wenn Gesundheitskunden krank sind, sondern überwachen kontinuierlich den aktuellen Gesundheitszustand und handeln vor dem Eintreten einer absehbaren Erkrankung. Auch dies: Eine gute Nachricht.

Healthcare im Alter: Warum dieser Mann seine medizinische Versorgung selbst begrenzt

Wir leben immer länger. So weit so vertraut. Jedenfalls aus einer westlichen Perspektive ist das im Grunde gleichbedeutend mit: Das ist ein enormer zivilisatorischer Fortschritt. Wir werden älter – und wir werden den Zugewinn an Lebenszeit gesund und fit genießen können. Healthcare im Alter sorgt dafür, dass wir die Phase des aktiven Lebens verlängern. Sie verspricht, die Zeit der hilflosen, leidenden Existenz begrenzen und einschränken.

Die Gegenthese vertritt Ezekiel J. Emanuel, Onkologe und Medizinethiker an der University of Pennsylvania. Er zeigt auf: Zwar verschieben wir den Zeitpunkt unseres Todes nach hinten. Der Zeitpunkt jedoch, ab dem wir nicht mehr fit und aktiv leben können, wandert nach vorn. Und zwar drastisch. Seine Konsequenz: Er plant, sein Leben zu begrenzen. 75, so die Aussage, sei ein gutes Alter, um bei Familie und Freunden positiv in Erinnerung zu bleiben. Um präzise zu sein: Emanuel plant weder Selbstmord noch Sterbehilfe. Er wird aber nach seinem 75sten Geburtstag nur noch palliative Medizin akzeptieren, keine kurative. Keine Tests zur Vorsorge, keine Ernährungsoptimierung, keine Übungen zur mentalen Fitness. Healthcare im Alter ausschließlich für das Wohlbefinden, nicht für die Verlängerung des Lebens.

Seine Position und die zugrunde liegenden Statistiken hat er in einem ausführlichen Artikel in The Atlantic veröffentlicht: Why I hope to die at 75. Aus meiner Sicht eine Pflichtlektüre. Die Redakteurin Mareike Kürschner hat ein Gespräch noch einmal aufgenommen und jetzt, vier Jahre nach der Aussage, noch einmal nachgefragt (Paywall). Inzwischen ist Emanuel 61 Jahre alt – das selbst gewählte Ende rückt in Sicht. Die Position steht.

Ezekiel Emanuel, University of Pennsylvania

Der Weg zur Selbstbestimmtheit

Zwei Gedanken stechen heraus: Emanuel beschreibt geradezu berührend, wie der Fakt des selbstgewählten Endes seine Perspektive auf die Jahre davor vollständig verändert. Wie er selbst sich aktiviert fühlt, sich um die großen Fragen des Lebens zu kümmern. Um wichtige Personen aus seinem Umfeld, um Lernen, Erleben, Erfahren . Ganz offensichtlich führt gerade die Begrenzung der Lebensdauer zu genau dem Maß an Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit, das die Anbieter der Healthcare im Alter oft vergeblich versprechen.

Der zweite Gedanke liegt auf einer übergeordneten Ebene: Wir leisten es uns, einen erheblichen Anteil der Gesundheitskosten allein für die Versorgung in den letzten 14 Tagen des Lebens auszugeben. Vor diesem Hintergrund ist der bewusste Verzicht auf den Versuch der Healthcare im Alter, noch einige Monate Lebenszeit herauszuschinden, geradezu revolutionär. So nachvollziehbar dieser Versuch im Einzelfall ist – aus übergeordneter Perspektive mutet er manchmal etwas verzweifelt an.

Ich stelle zur Diskussion: Je besser wir verstehen, das menschliche Leben zu verlängern, desto stärker wächst unsere Verantwortung, auch den Zeitpunkt selbst zu bestimmen, an dem sich der Bogen in Würde schließt. tbc.

Die Healthcare der Zukunft beginnt zwischen Arzt und Patient (Teil 2)

Ein Gespräch mit Markus Bönig, Gründer und CEO von Vitabook, zur fehlenden Innovation im Gesundheitswesen, zur Healthcare der Zukunft und dem schwierigen Verhältnis von Ärzten und Daten (Teil 2/2).

 

Im ersten Teil des Gesprächs hat Markus Bönig begründet, warum wir den Umgang mit Daten in der Healthcare der Zukunft neu denken sollten. Wir müssen, so seine Einschätzung, den Fokus im Gesundheitsmanagement von den Standard Operation Procederes auf die Standard Information Procederes verlegen. Grundlage für ein intelligentes Datenmanagement ist ein neuer Umgang mit einer großen Menge persönlicher Gesundheitsdaten. Im zweiten Teil des Gesprächs haben wir die Bedeutung von Gesundheitsdaten thematisiert und darüber gesprochen, wie dies die Rollen von Arzt und Patient verändert.

Markus Bönig, Gründer von vitabook, gestaltet die Healthcare der Zukunft

Herr Bönig, ist der Begriff des Patienten für die Healthcare der Zukunft eigentlich noch angemessen?

MB: In gewisser Weise schon. Im Gesundheitswesen ist der Patient am Ende derjenige, der das System ertragen und erdulden muss. Gerade im Verhältnis zum Arzt ist er vielfach noch ganz klassisch Patient.

… und in Zukunft?

MB: Das Arzt-Patienten-Verhältnis steht vor einem grundlegenden Wandel. Patienten werden in immer stärkerer Weise als echtes Gegenüber mit Ihrem Arzt interagieren wollen. Das Grundverhältnis wird uns dabei sicher erhalten bleiben. Das Zentrum des gesamten Gesundheitssystems ist die Arzt-Patienten-Beziehung. Gleichzeitig werden Ärzte aber in Zukunft selbst verstärkt durch Technik unterstützt. In Zukunft wird es selbstverständlich eine künstliche Intelligenz sein, die den Arzt bei Diagnose und Therapievorschlägen unterstützen wird. In der Radiologie ist dies besonders stark bereits zu sehen. Blutproben werden in sehr viel stärkerem Maße zukünftig automatisiert analysiert werden können. Trotz all dieser Entwicklungen wird der Arzt aber auch weiterhin der maßgebliche Akteur sein – gemeinsam mit dem Patienten.

Geben Sie uns eine Einschätzung, wann dies eingetreten sein wird?

MB: In spätestens fünf Jahren werden wir die entscheidenden Durchbrüche beim Einsatz Künstlicher Intelligenz im medizinischen Labor sehen. Ende der 20er Jahre wird sich auch das Arzt-Patienten-Verhältnis insgesamt auf breiter Front verändert haben. Wer heute ein Medizinstudium beginnt, muss wissen: Ich werde einen vollständig veränderten Beruf ausüben.

 

Markus Bönig ist Gründer und CEO von vitabook. vitabook ist die in Deutschland führende Plattform für ein gemeinsames Therapie-Management von Arzt und Patient. Mit DocDraft – dem Therapiekonfigurator des Arztes, lassen sich in dieser Plattform sämtliche Aspekte einer Therapie in Form von Standard Information Procedures (SIP) strukturiert und standardisiert zwischen Arzt und Patient festlegen und austauschen. Die Daten werden stark verschlüsselt und liegen in der Microsoft Cloud Deutschland, hochgesichert in zwei deutschen Telekom-Rechenzentren. Mehr Informationen auf www.vitabook.de

Healthcare-Tech: Apple vor neuem Entwicklungsschub

Healthcare-Tech im Fokus: Rund um Apple sind die Sensoren für potenzielle Entwicklungen besonders fein justiert. Und auch wenn Apple traditionell sehr sparsam kommuniziert: Eine verlässliche Quelle für Nachrichten und Trends sind die Stellenausschreibungen des Hauses. Das US-amerikanische Medienhaus CNBC weist gerade darauf hin, dass Apple Entwickler sucht, um die Reihe eigener Prozessoren auszubauen. Ein Schwerpunkt liegt auf Healthcare. CNBC zitiert ein Apple-Posting: Die neuen Mitarbeiter sollen „help develop health, wellness, and fitness sensors“.

Ein mögliches Anwendungsfeld ist die Apple Watch Sie verfügt ohnehin bereits über Funktionen, die Herzfrequenz und Aktivitätsdaten zu messen. Einschlägige Blogs aus dem Silicon Valley wie Venturebeat haben die Meldung bereits aufgenommen. Interessant ist, dass Apple offensichtlich dabei ist, die Entwicklung von Healthcare-Tech ins eigene Haus zu holen. Dies wäre ein deutlicher Hinweis auf die Priorität, die dieses Thema für das wertvollste Unternehmen der Welt hat.

Healthcare-Tech-Apple-Fotolia

Die Healthcare der Zukunft beginnt zwischen Arzt und Patient (Teil 1)

Ein Gespräch mit Markus Bönig, Gründer und CEO von Vitabook, zur fehlenden Innovation im Gesundheitswesen, zur Healthcare der Zukunft und dem schwierigen Verhältnis von Ärzten und Daten (Teil 1/2).

Markus Bönig, CEO von vitabook, gestaltet die Healthcare der Zukunft

Michael Carl: Wer nichts wird, wird Wirt. Auf die Gesundheitsbranche übertragen: Wem nichts einfällt, der entwickelt eine App für Gesundheitsdaten. Trotzdem sehen wir kaum echte Innovation. Was bremst die Entwicklung in der Gesundheit?

Markus Bönig: Die einrichtungsbezogene Denkweise ist meines Erachtens eine zentrale Innovations-Bremse. Nur mit einer prozessorientierten Denkweise, orientiert an der Patienten-Reise lassen sich echte Innovationen formen. Das Gesundheitswesen ist hier die vorletzte Branche, nur noch gefolgt vom Bildungs-Bereich, die hier noch nicht umgeschaltet hat. Hinzu kommt, dass der erwartete Nutzen von Daten in der Medizin von sehr vielen Akteuren maßlos überschätzt wird. Eine elektronische Akte mit Informationen zum Gesundheitszustand des Patienten ist nicht das Endziel, sondern lediglich eine Voraussetzung für Innovation, mehr nicht.

85% der Kosten im Gesundheitssystem entfallen auf Menschen, die krank sind und es auch bleiben werden, die einen gewissen Gesundheitszustand haben und diesen zumindest verbessern wollen. Über Standards zu sprechen scheint mir hier zumindest zwiespältig zu sein.

MB: Das stimmt. Wir haben im Gesundheitssystem einen grundlegenden Konflikt zwischen Leistungserbringern und Patienten. Der Leistungserbringer muss möglichst standardisiert arbeiten, geradezu industriell. Der Patient fordert dagegen ein hochgradig individuelles Behandlungserlebnis. Das ist kaum lösbar. Nur mit einer digitalen Vernetzung von Arzt und Patient kann dieser Graben sinnvoll überwunden werden. Hier – in dieser Kernbeziehung von Arzt und Patient ist das größte Innovationspotential in der Medizin zu finden.

Obwohl die Medizin mittlerweile dank Leitlinien und Standard Operation Procederes hochgradig standardisiert ist, gibt es hier einen großen Bereich, der nahezu nicht erschlossen ist. Welche Informationen fließen zu welcher Zeit zwischen Arzt und Patient. Wir nennen dies Standard Information Procedures. Eine standardisierte Festlegung, was der Patient wann wissen, messen, tun soll und was der Arzt wann erfahren und dokumentieren soll. Dies fehlt bislang vollständig, der Informationsfluss im Gesundheitswesen ist nahezu komplett dem Zufall überlassen. Die Papier- Aufklärungs- und Anamnesebögen sind da schon die Speerspitze der bisherigen Innovation.

Was sind die praktischen Folgen dieser ungesteuerten Information für die Healthcare der Zukunft?

MB: Konkret: Die vom Arzt vorgeschlagenen Therapien verpuffen häufig in ihrer Wirkung, oder bleiben zumindest weit unter ihren Möglichkeiten. Der Grund dafür ist einfach. Patienten erfahren zu wenig über ihre Situation, verstehen häufig nicht, warum diese Therapie sein muss und haben natürlich Schwierigkeiten, ein komplexes Mediaktions-Regime einzuhalten. Das ist an einigen Kennzahlen sehr schön ablesbar. Jedes fünfte Rezept wird schlicht nicht eingelöst. Ärzte verordnen Jahr für Jahr Medikamente im Wert von 40 Milliarden €. Davon landen zehn Milliarden direkt im Müll und niemand erhält eine Rückmeldung. Könnten wir die Adherence nur ein wenig steigern, würde dies die Kosten des Systems deutlich senken.

 

Lesen Sie im zweiten Teil des Gesprächs zur Healthcare der Zukunft mit Dr. Markus Bönig, wie er die Rolle des Arztes in der Zukunft einschätzt und wann er mit grundlegenden Veränderungen im Gesundheitssystem rechnet.

Markus Bönig ist Gründer und CEO von vitabook. vitabook ist die in Deutschland führende Plattform für ein gemeinsames Therapie-Management von Arzt und Patient. Mit DocDraft – dem Therapiekonfigurator des Arztes, lassen sich in dieser Plattform sämtliche Aspekte einer Therapie in Form von Standard Information Procedures (SIP) strukturiert und standardisiert zwischen Arzt und Patient festlegen und austauschen. Die Daten werden stark verschlüsselt und liegen in der Microsoft Cloud Deutschland, hochgesichert in zwei deutschen Telekom-Rechenzentren. Mehr Informationen auf www.vitabook.de