BGM der Zukunft

Im 2b AHEAD ThinkTank haben wir heute eine aufschlussreiche Diskussion über das BGM der Zukunft geführt. Das hat mich dazu gebracht, einige zentrale Prognosen zu diesem Instrument in Thesen zu fassen. Das Berufliche Gesundheitsmanagement wird in diesem Zukunftsbild eine wesentliche Rolle im Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer spielen. Mehr noch: Es wird zum zentralen Gestaltungsinstrument bei der Planung der individuellen Aufgaben. Direkt formuliert: Warum soll es mir nach der Arbeit nicht besser gehen als vorher?

Hier sind die Thesen, mit der Bitte um Kommentar, Widerspruch oder Ergänzung.

 

1. Der Mensch ist niemals ganz krank oder ganz gesund. Im Fokus der Gesundheit der Zukunft steht das individuelle Wohlbefinden. Dieses ist in Echtzeit hoch differenziert messbar.

2. Prävention der Zukunft dient nicht mehr vorrangig der Vermeidung von gesundheitlichen Schäden, sondern der Optimierung des Wohlbefindens. Wirksame Prävention zielt auf die Steigerung des individuellen Wohlbefindens.

3. Prävention ist evidenzbasiert – und das heißt vor allem: datenbasiert.

4. Kern des BGM der Zukunft ist es, den Einfluss von Arbeit und Arbeitsumfeld auf das Wohlbefinden des einzelnen Mitarbeiters transparent zu machen.

Von der Belastungs- zur Entlastungsperspektive

5. Je vernetzter die Arbeitswelt ist, desto eher erlaubt diese Analytik auch eine Vorhersage. Predictive Analytics im BGM bedeutet: Der Dienstplan, der Projektplan, der Aufgabenplan wird zum individuellen Belastungsplan.

6. Die Analytik ist verfügbar. Das BGM der Zukunft steht damit im Wettbewerb zu Analysen anderer Anbieter aus der Gesundheitsbranche und darüber hinaus.

7. Die Frage für das Unternehmen der Zukunft ist also nicht, ob die eigenen Mitarbeiter den Einfluss der konkreten Tätigkeit auf das eigne Wohlergehen messen können. Die Frage ist, ob es auch in der Lage ist, diesen Einfluss zu messen – und zur Steuerung zu nutzen.

8. Dasjenige Unternehmen ist im Vorteil, das in der Lage ist, auf Grundlage dieser Analytik den individuellen Belastungsplan in einen Entlastungsplan zu wandeln. Das BGM der Zukunft ist das zentrale Instrument des Unternehmens, die individuelle Wirkung geplanter Tätigkeiten auf den Mitarbeiter zu prognostizieren – und die Tätigkeiten auf dieser Grundlage anzupassen.

9. Das BGM wird so belastbar relevant als Faktor der Arbeitgeberattraktivität. Es belegt, wieviel besser es dem einzelnen nach der Arbeit durch die Arbeit geht. Gerade in Branchen mit durchgängiger Tarifierung der Löhne und traditionell belastenden Arbeitsplätze – Pflege, Sicherheit, Bildung – wird ein transparentes BGM einen wichtigen Unterschied bei der Personalgewinnung machen.

10. Der Vollständigkeit halber: Verantwortlicher Umgang mit Datensicherheit vorausgesetzt, ist der Datenschutz hier kein Hinderungsgrund. Die Mitarbeiter der Zukunft wollen solche Services. Wo immer sie einen persönlichen Nutzen erkennen, werden sie ihre Daten teilen wollen. Siehe Google Maps.

 

 

Wenn Krebs langweilig wird

Interessantes Zitat zum Einsatz von Technologie bei Krebs. Der US-Investor Andreesen Horowitz, einer der Treiber der Healthcare der Zukunft, setzt auf Routine bei der Früherkennung. Vijay S. Pande, einer der General Partner des Investors, sieht ein großes Zukunftsthema bei der Entwicklung von einfachen, billigen Verfahren zur laufenden Früherkennung ohne Befund: „We already have many drugs for cancer…The problem is people get them too late. You don’t wait until your house is half burned down before you call the fire department. My vision for cancer is it becomes very boring and routine, like going to the dentist.“

Quelle: Fast Company