Noch einmal: Künstliche Intelligenz der Bundesregierung

Zwei kurze Nachträge zu meinem ersten Post zur Strategie „Künstliche Intelligenz“ der Bundesregierung.

Wer etwas tiefer einsteigen möchte, warum ich die Strategie insgesamt für eine Enttäuschung halte, werfe einen Blick in meine Trendanalyse. In Kürze: Die Strategie „Künstliche Intelligenz“ springt zu kurz, selbst wenn es gelingen sollte, sie vollumfänglich umzusetzen. Das Kabinett träumt von Exportschlagern und weltweiter Führungsposition. Sie schlägt allerdings kaum geeignete Schritte vor.

Und wer ein Beispiel dafür sucht, wie man die Eckpunkte auch ganz anders interpretieren kann, lese die Ärztezeitung. Der Autor lobt die Ankündigung, nun für die notwendige Datengeschwindigkeit zu sorgen. Warum diese vielfach wiederholte Ankündigung nun auf einmal glaubwürdig sein soll, bleibt offen. Derzeit werden die Mittel, die das Bundesministerium zur Verfügung stellt, nicht einmal vollständig abgerufen. Da scheitert die künstliche Intelligenz schon auf dem Weg zum nächsten Verteilerkasten. Die lobende Erwähnung in der Ärztezeitung bleibt wie die Strategie selbst: Unkonkret.

 

Die Sorge des Krankenversicherers vor einem AirBnB des Gesundheitswesens

„Wenn die Patienten alle Daten an Google geben – um mal den größten Player pars pro toto für andere zu nennen –, wird Google der Airbnb des Gesundheitswesens und die Ärzte und auch wir Krankenkassen abhängige und austauschbare Produktzulieferer. Dann werten die Internet-Konzerne die Gesundheitsdaten aus und kommerzialisieren sie. Das kann nicht im Sinne der Patienten sein. Und mit dem Datenschutz ist es dann auch nicht mehr weit her.“

So Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender Techniker Krankenkasse im August 2018 beim Versicherungsgipfel des Hamburger Abendblatts.

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse

Airbnb ist offensichtlich nicht im Interesse der klassischen Tourismusbranche – das will das Unternehmen ja auch gar nicht sein – und der öffentlichen Verwaltungen. Wohl aber ist es ebenso offensichtlich im Interesse der Millionen täglicher Nutzer.

Daher drei schlichte Fragen – pars pro toto an den Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse:

  • Was, wenn die Menschen selbst wählen möchten, wer ihre Gesundheitsdaten auswertet?
  • Was, wenn zwar Krankenkassen und Ärzte nicht begeistert sind, die Nutzer aber einen Service wie den eines AirBnB des Gesundheitswesens wünschen?
  • Was, wenn die Nutzer sich mit ihren Daten selbst schützen wollen – und es nicht als Aufgabe von Krankenkasse und Arzt betrachten, ihre Daten von außen zu schützen?

Das dahinter liegende Problem ist aus meiner Sicht korrekt benannt. Der 2b AHEAD ThinkTank hat gerade in diesem Jahr eine Studie zur Zukunft der Krankenversicherungen veröffentlicht. Darin ist der Wandel beschrieben, der Wandel der Krankenversicherung zum Gesundheitsoptimierer. Die Studie steht zum kostenlosen Download auf der Webseite des Instituts.

Innovation im Labor

So nah und doch so fern? Wer sonst sollte seine Stärken in einer datengetriebenen Medizin der Zukunft ausspielen können, wenn nicht das medizinische Labor? Aber wer entwickelt die neue aktive Rolle für das Labor? Abwarten und nur den Auftrag des Arztes abarbeiten wird keine neuen Geschäftsmodelle erschließen. Die Kundenkommunikation wird zum Schlüssel für das erfolgreiche Labor der Zukunft.

 

Michael Carl, Referent bei den Roche-Tagen in Mannheim 2018

Die künstliche Intelligenz der Bundesregierung

In der vorigen Woche hat die Bundesregierung sogenannte Eckpunkte für eine Strategie „Künstliche Intelligenz“ vorgestellt. Ein langer Text mit großen Worten, das erste „weltweit führend“ taucht bereits in der zweiten Zeile der Ziele auf. Gut so, das Thema kann Ehrgeiz und Ambition vertragen.

Ein kurzer Reflex zum Thema „Gesundheit“ und KI. Denn wäre es tatsächlich zu viel erwartet, hier einiges Erhellende zu Gesundheitsdaten, der Erforschung seltener Krankheiten, internationaler Kooperation oder womöglich sogar zur Neurowissenschaft zu lesen? Gerade letzteres wäre doch von Interesse, der Ort, an dem künstliche und natürlich Intelligenz zusammentreffen, vernetzt, verschränkt, vereint werden. Allein, der Konjunktiv deutet es schon an. Weitgehend Fehlanzeige.

Paradigmatisch ist die erste Erwähnung des Begriffs Gesundheit. Da heißt es: Im Hinblick auf den Einsatz von KI in der Arbeitswelt setzen wir uns für eine menschen-zentrierte Entwicklung und Nutzung von KI-Anwendungen ein. Wir wollen dafür Sorge tragen, dass die Erwerbstätigen bei der Entwicklung von KI-Anwendungen in den Mittelpunkt gestellt werden: die Entfaltung ihrer Fähigkeiten und Talente, ihre Selbstbestimmtheit, Sicherheit und Gesundheit.“

Für eine tief gehende Analyse bietet das schlicht nicht genug Substanz, aber halten wir fest: Zentral ist die Gesundheit der Erwerbstätigen, künstliche Intelligenz vermag offenbar ihre Gesundheit zur Entfaltung zu bringen. Wer wollte das nicht?

Zwei Seiten weiter die nächste Erwähnung: „Zudem kann KI dabei unterstützen, neue Einsichten in die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten zu gewinnen, diese schneller zu erkennen und individueller behandeln zu können.“ Das scheint gedanklich nicht weit über eine KI-basierte Prognose der nächsten Grippewelle hinauszugehen.

Die weiteren Erwähnungen: Zweimal Betonung der „Schutzwürdigkeit“ medizinischer Daten bei deren Erschließung, ein Hinweis zu Ausbildungsberufen und einer zur Interoperabilität von Daten.

Das war es.

Wenn das alles wäre, was künstliche Intelligenz zur Gesundheit der Zukunft beitragen könnte, müssten wir uns keine weiteren Gedanken um sie machen. Sollten wir aber.  Ich empfehle weiterhin den Blog der Kollegin Maria Lübcke. Da schreibt jemand mit viel natürlicher über die tatsächlich künstliche Intelligenz.