SavorEat: Essen auf Rezept

Aus aktuellem Anlass: Ein weiterer Post zum Thema 3D-Druck von Lebensmitteln und den direkten Auswirkungen auf die Healthcare der Zukunft. Racheli Vizmann, Co-Founder und CEO des israelischen Food-Startups SavorEat, zeichnete heute auf dem Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks ihre Vision für die kommenden zehn Jahre. Wobei „Vision“ ganz offensichtlich zu wenig ist, „Roadmap“ trifft es eher. Und diese Roadmap zeigt einen direkten Angriff auf die Logiken und Geschäftsmodelle der heutigen Gesundheitsbranche.

Racheli Vizmann, Co-Founder und CEO von SavorEat

Die Eckdaten sind ehrgeizig: Bis Anfang 2022 will SavorEat die erste Stufe seiner Technologie ins B2C-Geschäft bringen, sprich: An den Massenmarkt. Die Basis für die Produktion ist eine Zellulose-Masse, die aus verschiedenen Pflanzen gewonnen wird. In ihrem 3D-Drucker wird diese Masse schichtweise gedruckt und ebenso Schicht für Schicht direkt zubereitet. Damit erreicht SavorEat nicht nur einen Fleisch-ähnlichen Geschmack, sondern auch die passende Textur, bis hin zum mitgedruckten Knochen des Steaks. Das Ziel aber ist erheblich ehrgeiziger als bei den heute gehypten Fleisch-Druckern: Geschmack, Kaugefühl, bis hin zum Klang beim Essen soll das Ergebnis nicht mehr vom Original zu unterscheiden sein.

Lust auf medium rare, aber inside out? Kein Problem, die Grenze ist nur unsere Vorstellungskraft. Die Differenzierung erfolgt auf der Ebene der Zutaten: Im Unterschied zu „Beyond Meat“ entstehen bei SavorEat nicht standardisierte Burger-Patties, sondern individuelle Lebensmittel. Und der Drucker liefert nicht zubereitungsfähige Lebensmittel, sondern ess-bereite Mahlzeiten, derzeit sechs unterschiedliche gleichzeitig.

Die Roadmap

Bis Anfang 2022 will SavorEat marktfähige Lösungen haben, um Proteine und Fette variabel steuern zu können. Das Produkt wird auf den individuellen Geschmack und die aktuellen Vorlieben abgestimmt. Es folgen stufenweise bis 2029: Vitamingehalt, Nährstoffe, Zucker, Salz, letztlich mit einem Anspruch, den man in heutigen Denkwelten nur medizinisch nennen kann: Abgestimmt auf den tagesaktuell erhobenen genetischen Zustand des einzelnen Menschen. Ganz praktisch gesprochen: Der Teenager kann jeden Tag Burger mit Pommes essen; es schmeckt auch jeden Tag gleich. Dennoch wird seine Nahrung besser denn je auf seine tatsächlichen körperlichen Bedürfnisse abgestimmt sein, denn die Zutaten variieren täglich.

Der Koch bringt Gesundheit

Das große Bild: Hier wird nicht nur wieder einmal die große Frage nach no kill-meat adressiert und eine alternative Proteinquelle erschlossen. Viel zentraler ist, mit Blick auf die Gesundheit: Wer kocht? Vertrauen wir dem Technologie-Anbieter, auf Basis unserer Echtzeit-Körperdaten Wohlbefinden zu fördern und Krankheiten weitestgehend zu verhindern? Oder kommt das Essen auf Rezept, vom Arzt unseres Vertrauens? Man beachte den hübschen Doppelsinn des Wortes Rezept hier. Sind die approbierten Kompetenzträger hier anschlussfähig, wollen und können sie es? Sind wir, die wir die Verbesserung unserer Gesundheit suchen, bereit, unserem Hausarzt ein digitales, tagesaktuelles Rezeptbuch abzukaufen? Vielleicht nicht dem eigenen Hausarzt, vielleicht einem vernetzten und spezialisierten Experten, der sich räumlich und auch sonst in jeder Hinsicht außerhalb unserer gängigen Regulierung bewegt? Die Botschaft von Racheli Vizmann 2019 ist: Wir haben gute zwei Jahre Zeit, diese Fragen zu sortieren.

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