Drei Fragen – drei Antworten: Bioviva

Ein neues Format startet hier auf dem Blog: Das 2b AHEAD-Expertennetzwerk im Dialog. In regelmäßiger Folge formulieren Gesundheitsexperten relevante Fragen zur Zukunft der Gesundheit. Andere Experten aus unserem Netzwerk nehmen dazu Stellung – und stellen wiederum neue Fragen, die an neue Experten gehen. So wächst ein inspirierender Dialog, den wir immer weiter fortschreiben werden. Sie möchten Teil davon werden? Kurze Mail an mich oder Kommentar hier genügt.

Heute im Fokus: Liz Parish und Avi Roy von Bioviva

Die Expertenfragen gehen heute an Liz Parrish, Gründerin und CEO von Bioviva, sowie an Avi Roy, CTO bei Bioviva. Bioviva zählt zu den Vorreitern der Telomerase – oder, um es vom Ergebnis her zu beschreiben: Bioviva arbeitet daran, das menschliche Leben durch einen Eingriff in den genetischen Code zu verlängern. Erheblich zu verlängern. Im Zentrum der Forschung von Bioviva stehen dabei die Alterungsprozesse einzelner Zellen. Parrish, Roy & Team zählen zu den wichtigen Treibern der Longevity-Bewegung.

Erfolgsbasierte Medizin

Peter Ohnemus, DacadooPeter Ohnemus, Gründer und CEO von Dacadoo: Mit digitaler Gesundheit ist der Nachweis für positive Outcomes der Medikamente voll dokumentierbar. Ab wann wollen wir ein 100% outcome-basierendes Gesundheitssystem gestalten?

 

Liz Parrish, BiovivaLiz Parrish, Gründerin und CEO von Bioviva: Wir haben keine Beweise, die die Behauptung stützen, dass die „digitale Gesundheit“ absolut positive (oder negative) Ergebnisse für Arzneimittelstudien nachweisen kann. Die meisten molekularen und physiologischen Biomarker sind schwer digital zu messen, ohne ein fortschrittliches Labor für molekulare Pathologie zu haben. Aber trotzdem ist Ihre Frage nach dem ergebnisorientierten Gesundheitssystem gerechtfertigt. Derzeit bewertet das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) im Vereinigten Königreich die Auswahl der Patienten zur Verfügung stehenden Medikamente. Grundlage dieser multifaktoriellen Bewertung sind die Kosteneffizienz, die mit Entscheidungen verbundenen Opportunitätskosten und die Auswirkungen der Behandlungsoption auf die qualitätskorrigierten Lebensjahre (QALY). QALYs und behinderungsbereinigte Lebensjahre (DALYs) sind die wichtigste ergebnisorientierte Methode, um die Wirksamkeit einer Behandlung in einem Gesundheitssystem zu testen. Obwohl fehlerhaft, gilt dies derzeit von Gesundheitsökonomen und Politikern als der Goldstandard. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Länder, die sich ein funktionierendes Gesundheitssystem leisten können, versuchen, die Wirksamkeit von Behandlungen anhand von Ergebnissen zu bewerten, aber die biomedizinische Wissenschaft muss sie mit besseren Biomarkern versorgen als QALY und DALY.

Wem gilt unser Vertrauen?

Arkadiusz Miernik, Universität FreiburgArkadius Miernik, Professor an der Universität Freiburg: Sollen wir in Zukunft den großen Pharmaunternehmen oder lieber Biohackern vertrauen?

 

Liz Parrish 2, BiovivaLiz Parrish: Wir halten es für töricht, einer Organisation oder einem System blind zu vertrauen. Bei BioViva gefällt uns das russische Sprichwort, das von Präsident Ronald Reagan mehrfach verwendet wurde: „Vertrauen, aber überprüfen“. Um dies zu konkretisieren, bauen wir eine standardisierte Bioinformatik-Testplattform auf, die die Wirksamkeit von Anti-Aging-Behandlungen testen wird, unabhängig davon, ob sie von großen Pharmaunternehmen, kleinen Biotech-Startups oder gar Biohackern hergestellt werden.

Konsequenzen für das Immunsystem

Florina Speth, 2b AHEADFlorina Speth, Senior Researcher beim 2b AHEAD ThinkTank: Wie reagiert unser Immunsystem, wenn wir Erkrankungen kontinuierlich und dauerhaft vorbeugen?

 

Avi Roy, BiovivaAvi Roy, CTO Bioviva: Frau Dr. Speth, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Ihre Frage richtig verstehe, aber ich werde versuchen, sie zu beantworten. In der biogerontologischen Forschung und bei bioviva versuchen wir, den menschlichen Körper und seine Organe und Gewebe auf zellulärer Ebene zu verjüngen. Unsere Forschung und Therapie zielt auf die Merkmale der zellulären Alterung ab, die genomische Instabilität, Telomerabtragung, epigenetische Veränderung, Verlust von Proteostase, deregulierte Nährstoffsensorik, mitochondriale Dysfunktion, zelluläre Seneszenz, Stammzellerschöpfung und veränderte interzelluläre Kommunikation umfassen. Diese Prozesse finden in jedem Zelltyp im menschlichen Körper statt. Wenn wir an die Behandlung einer Krankheit denken, denken wir nicht unbedingt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz, sondern zielen auf diese grundlegenden zellulären Prozesse, die im Laufe der Zeit schief gehen. Daher werden Immunsystemzellen durch diese Anti-Aging-Behandlungen positiv beeinflusst und würden zu positiven Ergebnissen führen. Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der wir lebende Zellen verjüngen, alternde oder krebserregende Zellen abtöten und neue funktionelle Zellen aus Stammzellen herstellen können.

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